
So, oder so ähnlich mag es geklungen haben, als Trainer Wojchiech Mróz den Reisebus für die Fahrt nach Drzonkow beim polnischen Transportunternehmen PKS S.A. Zary geordert hatte. Immerhin 28 Fechterinnen und Fechter aus Lüdenscheid und Dortmund waren es, die sich in diesem Jahr der zweiwöchigen Tortur des Trainingslagers unterziehen wollten. Was das an Gepäck bedeutet wird jedem schnell klar, der sich schon einmal auf eine stinknormale Urlaubsreise begeben hat. Jeder Reisende hat zumindest mal einen mehr oder weniger großen
Koffer. Dazu kommt noch das obligatorische Handgepäck, dass auch keinerlei Standards unterliegt. Und da Fechter naturgemäß eine relativ umfangreiche Sicherheitsausrüstung tragen müssen, die sich stark von der Ausrüstung etwa eines Marathonläufers unterscheidet, kommen natürlich auch noch 28 dicke, fette, vollgepackte Fechttaschen dazu. Spätestens hier wird wieder deutlich, dass Fechten zu den Randsportarten gehört, unter denen sich kaum jemand etwas vorstellen kann. Bereits bei unserer Reise nach Wrexham hatte das „Gepäckproblem“ unseren damaligen Busunternehmer Manni Manß zum Schwitzen gebracht, dachte er doch, dass die paar Degen locker in seinen modernen 5-Sternebus passen. Mit Viel Mühe und dem ein oder anderen Fluch und Stoßgebet hatte es auch gaaanz knapp gepasst.
Am Sonntag, dem Tag der Abreise nach Drzonkow, sollte erneut ein Busfahrer auf eine wirklich harte Probe gestellt werden. Treffpunkt für Bus und Sportler war die Halle des TSC in Dortmund. Die polnische Firma P.K.S. S.A. Zary hatte
, aus ihrem durchaus breiten Spektrum an Bustypen, das Modell Solbus C9,5 mit 35+1 Sitzplätzen und internationaler Lizenz nach Dortmund geschickt. Bereits nach erblicken des Busses machten sich erste Zweifel breit, ob der Bus die Kapazität hat, dass gesamte Gepäck in seinem Inneren zu verstauen. Auch musste sich der Bus zahlreiche kritische und prüfende Blicke gefallen lassen, entsprach er doch optisch nicht ganz dem was man erwartet hatte. Aber technisch war alles O.k..
Nach und nach trudelten die Sportler ein um sich auf den Weg nach Polen zu machen. Anfangs war der Chauffeur noch recht zuversichtlich. Diese Einstellung legte sich aber schon nach recht kurzer Zeit, als die Zahl der Reisenden sich erhöhte und beinahe exponentiell dazu die Menge des zu transportierenden Gepäcks. In Folge dessen legte der Fahrer auch sein Hemd ab und zeigte was ein echter polnischer Mann zu bieten hat. Six-Packs sind dort übrigens verpönt. Auch Wojchiech wurde langsam etwas unruhig, war es doch mehr als offensichtlich, dass der Bus zu klein war.
Jetzt musste gehandelt werden. Da das „Trainermobil“ über eine Hängerkupplung verfügte, wurde versucht in der Nähe einen Verleih zu finden, der am Sonntag einen entsprechenden Hänger vorrätig hatte. Glücklicherweise war die in wenigen Kilometern Entfernung der Fall und somit war auch eine Lösung für das Gepäck gefunden.
In der Zwischenzeit hatte sich der Bus mit allen Athleten und einem gewissen Teil des Gepäcks auf die etwa 10-Stündige Reise begeben. Die meisten Eltern waren abgefahren und nur ein harter Kern wartete mit dem zurückgelassenen Gepäck auf Wojchiech und den Hänger. Der kam gerade noch rechtzeitig vor einem gigantischen Wolkenbruch und so konnten die restlichen Taschen noch trocke
n auf Reisen gehen.
Irgendwo zwischen Magdeburg und Berlin hatte Wojchiech den Bus dann eingeholt. Am Abend wurden die Zimmer bezogen, zahlreiche Mücken erschlagen, das erste Essen eingenommen und mit großer Wahrscheinlichkeit erstzunehmende Vorbereitungen für die unabwendbare Zimmerverwüstung der kommenden zwei Wochen getroffen.
Der erste Morgen begann mit einem netten „Horrorwarmmachen à la Jan“, einem tollen Schnelligkeitstest und einem lustigen Waldlauf. Auch das Klima präsentiert sich heiß und schweißtreibend.
Erste SMS lassen erkennen, dass das die Vorbereitungen auf die neue Saison wirklich hart sind: "Muskelkater. Gestern 38° C - heute nur 35° C. :-)"
