Wrexham war das Ziel der Reise, die die Fechtabteilung des LTV 1861 vom 2. bis zum 6. Juni unternahm. 42 Sportler und Begleiter des Lüdenscheider TV, Hagen Hasper Fechtclubs, des TSC Hagen und ein nach Gladbeck Abtrünniger, waren am Mittwochnachmittag mit dem Bus zum Gegenbesuch beim Wrexham Fencing Club aufgebrochen. Gut 1000 Kilometer und die Fährüberfahrt zwischen Calais und Dover lagen vor den Fechtern. Nachdem die Lüdenscheider am Nattenberg den Bus bestiegen hatten, war der Gepäckraum schon soweit gefüllt, dass Buspilot Manni Manß nicht nur vom Laden ins schwitzen kam, sondern auch noch von den Gedanken, was noch alles in Hagen kommen könnte. Am P+R Parkplatz, Hagen Süd, warteten die Hasper und Annegret vom TSC. Alles wurde verstaut – Maßarbeit.
Eine Minute später wurde allerdings das Gepäck eines Mitreisenden wieder ausgeladen und
somit eine kleine Odyssee eingeleitet. Etienne hatte keinen gültigen Ausweis und ohne den kommt man nicht auf die Insel. Der Rest machte sich auf den Weg und staute sich in Richtung Niederlande. Dann bekam Gereon, der Hasper Abteilungsleiter einen Anruf. Etiennes Mama hatte am Flughafen Dortmund eine Passverlängerung erhalten und donnerte nun mit einem Ziegelstein auf dem Gaspedal Richtung Calais. Wenige Kilometer vor dem Hafen, mit dem letzten Tropfen Treibstoff, wurden die Gruppe eingeholt und Etienne bestieg endlich den Bus. Im Hafen hieß es: „Passkontrolle“! Also raus aus dem Bus, Dokumente zeigen und Weiterfahrt zur Warteposition für die Fähre. Zwei Stunden waren zu überbrücken, und so gönnten sich einige Herren das ein oder andere „Bier am Pier“. Ab 2 Uhr warteten geschlossene Geschäfte und unbequeme Sessel auf die Reisenden, was aber viele nicht von einem Nickerchen abhielt.
Nach 18stündiger Reise und leichten Müdigkeitserscheinungen erreichte die Truppe das Ramada Plaza in Wrexham. Da man dort etwas
früher als gedacht einlief, waren die Zimmer noch nicht fertig und auch Mike Norfolk, Chef des Wrexham Fencing Club war noch nicht vor Ort. Kein Problem für die Fechter. Nach einer kurzen Diskussion an der Rezeption wurde aus dem angedachten Mittagessen ein umfangreiches Frühstück, mit Speck, Würstchen, Rührei und Co. Zwischenzeitlich trudelte auch Mike im Hotel ein und weitere Pläne wurden besprochen. Die Zimmer wurden bezogen, einige machten ein Nickerchen, andere machten sich auf in die Stadt. Nach der Ruhepause stand zunächst eine weitere Bustour auf dem Programm. George Lacy, der Partnerschaftsbeauftragte des Wrexham County Borough, empfing die Lüdenscheider Delegation und begleitete sie bei strahlendem Sonnenwetter, gut drei Stunden zu den Sehenswürdigkeiten der Region. Schade, dass nicht mehr Zeit zur Verfügung stand, sonst hätte man noch eine Bootstour auf den Kanälen machen können.
Am Abend wartete im Hotel ein warmes Buffet auf die Sportler. Danach fanden sich die Erwachsenen an der Bar ein und die Jugend machte die Umgebung unsicher.
Der Freitag war der erste Wettkampftag. Nur nach Alterklassen getrennt wurden die Einzelausscheidungen aller drei Disziplinen gefochten. Allen Angereisten steckte noch ein wenig die anstrengende Fahrt in den Knochen. Sie konnten sich zwar weit nach vorn kämpfen, doch die Sieger kamen meistens aus dem Königreich. Das die Briten hart im Nehmen sind, dass durfte Jannis Selbach erleben.
Er unterlag im Finalgefecht Carolyn Benson, die noch am Morgen ins Krankenhaus eingeliefert worden war, da ihr Defibrillator nicht optimal arbeitete und sie umgekippt war. "We die on piste", war dertrockene Kommentar von Mike Norfolk dazu.
Die Ergebnisse lesen sich wie folgt: Aktive Degen: 1. David Gregory (GBR) 2. Niclas Grewe (GER) 3. Henrike Enders (GER) und Ben Hughes (GBR). Aktive Florett: 1. Carolyn Benson (GBR), 2. Jannis Selbach (GER), Ben Hughes (GBR), Ben Roberts (GBR). Aktive Säbel: 1 Daniel Lumb (GBR), 2. Jannis Selbach (GER), 3. Olaf Grützner (GER) und Josh Wiffen (GBR). Degen Jugend/ältere: 1. Paul Busch (GER), 2. Valentin Enders (GER), 3. Constanze Millutat (GER) und Freda v.d. Bussche (GER). Degen Jugend/jüngere: Die Plätze eins bis drei gehen komplett and die Waliser. Jugend Florett: 1: George Dolan (GBR), Etienne Michels (GER), 3. Alisa und Valerie Fabrice (GER) / Säbel Jugend 1. Valerie Fabrice (GER), 2. Rouven Riegel (GER), 3. L. Mc Gillivary und Alex Sabio (GBR).
Abends fand, in Anwesenheit des Mayor of Wrexham County Borough und seiner Gattin, der Mayoress, ein offizielles Galadiner im Mannschaftshotel statt. Wir wurden Zeuge des eindrucksvollen britischen Protokolls. Bevor der Repräsentant des Kreises den Saal betrat wurde er angekündigt. Alle hatten aufzustehen, um ihnen den entsprechenden Respekt zu zollen. Im Anschluss an das Menü wurde die Siegerehrung vorgenommen. Als einzige Vertreter vom Kontinent konnten hier Valerie Fabrice und Paul Busch den „Walisischen Drachen“ als Siegerpokal in Empfang nehmen. Alle anderen erhielten entsprechende Medaillen. Die Gesamtwertung ging an diesem Tag recht eindeutig fünf zu zwei für Wales aus.
Am Samstag standen sich vier sogenannte
„A-Teams“ gegenüber.
Dies waren je eine Herren-und Damen- Degenmannschaft, ein gemischtes Säbelteam sowie ein gemischtes Jugend-Florettteam. Der zweite Wettkampftag lief für die Westfalen eindeutig besser. Drei der vier Mannschaftsbegegnungen gingen an sie. Besonders spannend verlief die Ausscheidung im Herrendegen. 45:44 für das Team Dominik Bauer, Niclas Grewe und Gereon Hessmann (Haspe) nach Verlängerung lautete das Ergebnis gegen die Mannschaft um David Gregory. Die Damendegen-Mannschaft, bestehend aus Henrike Enders, Wiebke Plate und Victoria Grewe war ihren Gegnerinnen haushoch überlegen und holte einen extrem sicheren Sieg. Bei den Säbelfechtern aus Hagen verlief es nicht ganz so. Sie gaben den Sieg an die Waliser. Dafür schlugen sich die jungen Floretties richtig gut, und machten den kontinentalen Sieg perfekt.
Am Nachmittag hieß es dann schon wieder Abschied nehmen. Zuvor wurde allerdings noch, unter großem Jubel, stellvertretend für alle siegreichen Mannschaften, der Siegerpokal an die Abteilungsleiterin der Lüdenscheider Fechter, Susanne Enders, überreicht.
Dann wurde es Zeit, den Bus zu beladen und wieder in Richtung Deutschland zu fahren. Ein wenig Zeit blieb noch. So machte der Bus einen kleinen Schlenker Richtung Norden um einen kurzen Halt in Chester, England einzulegen, das unter anderem für seine mittelalterlichen Fachwerkkolonnaden („The Rows“) bekannt ist.
Auch die Rückfahrt verlief ohne Zwischenfälle. Außer, dass an Bord der Fähre einige äußerst nervige Schülergruppen darum gebettelt haben über Bord geworfen zu werden. Kurz vor Lüdenscheid versuchte ein trotteliger Bussard vor dem Bus auf der Fahrbahn niederzugehen. Der Bus war zu hart für ihn. Kurz nach neun war der Bus wieder am Ausgangspunkt angelangt. Für alle hieß es nun frühstücken und schlafen.
Die Fechtabteilung des LTV 1861 bedankt sich im Namen aller für die herzliche Gastfreundschaft, die ihren Mitgliedern und Mitgereisten von den Organisatoren und Mitgliedern des Wrexham Fencing Club entgegengebracht wurde. Aber auch für die überaus freundliche und großzügige Unterstützung durch den Wrexham County Borough. Ebenso sind Anke und Manni Manß zu erwähnen, die unseren Mannschaftsbus sicher durch Europa gesteuert haben.
2011 geht es weiter, dann werden die Waliser wieder Gast der Lüdenscheider Fechtabteilung sein.
